Ted Lasso als Trainer: Was er richtig macht und wo er scheitert
Ted Lasso kennt weder die Regeln noch die Liga und wird trotzdem zum Vorbild für Trainer. Wir schauen uns an, was er als Trainer wirklich richtig macht, wo ihm das Handwerk fehlt und warum genau diese Schwächen die einfacheren sind.
Weisst du noch, wie du Trainer geworden bist?
Bei den wenigsten war das eine Entscheidung. Bei den meisten hat jemand gefragt, ob man nicht übernehmen könnte, weil sonst die Mannschaft aufgelöst wird. Kein Auswahlverfahren, keine Lizenz, keine Einarbeitung. Einfach jemand, der ja sagt, wenn sonst niemand ja sagt.
Genau so ist auch Ted Lasso an seinen Job gekommen. Keine Ahnung vom englischen Fussball und trotzdem sind seine Methoden ein Vorbild für jeden Trainer.
Der Trainer, der nicht weiss, welchen Sport er trainiert
In der Serie geht es um Ted Lasso. Ein amerikanischer Footballcoach, der einen englischen Premier-League-Klub als Trainer übernimmt. Er kennt weder die Regeln noch Systeme wie Abstieg oder Abseits. Er hat diesen Job nicht bekommen, weil er sich beworben hat, sondern weil er in diesen Job geholt wurde.
Und genau das schlägt die Brücke zu den Anfängen von rund der Hälfte aller Breitensport-Trainer. Ihre Anfänge waren meist nicht freiwillig, sondern weil irgendjemand sie in den Job überredet hat. Der Papi, der die E-Junioren übernimmt, weil sonst die Mannschaft aufgelöst wird. Der Routinier, der mit 34 die Zweite übernimmt, weil sonst niemand die Hand hebt.
Genau deshalb lohnt es sich, einmal die Arbeitsweise dieses Trainers anzuschauen und wie er trotz dem fehlenden Fachwissen ein Top-Trainer wurde.
Die wichtigste Fähigkeit
Ein guter Trainer kann sein Team lesen. Er merkt, wenn ein Spieler nicht bei der Sache ist, wenn er Probleme hat, die seine Leistung beeinflussen. Und er fragt beim Spieler nach, statt zu urteilen.
Er baut Vertrauen auf, bevor er Leistung fordert. Er weiss, dass ein Spieler erst dann für dich durchs Feuer geht, wenn er dich als Trainer respektiert und dir vertraut. Kritik kommt erst dann richtig an, wenn der Spieler weiss, wie sie gemeint ist.
Vertrauen aufzubauen kostet Zeit. Und diese Zeit hast du in der Vorbereitung nur dann, wenn du sie dir nicht mit der Trainingsplanung wegnimmst.
Er gibt Aufgaben ab. Nicht jeder Trainer hat in allen Themengebieten seine Stärken. Mancher Trainer ist nicht der beste Taktiker oder nicht der beste Einheizer. Ein guter Trainer erkennt, wenn jemand aus dem Staff oder ein Spieler etwas besser kann, und gibt diese Aufgabe ab.
Welche Schwächen er doch hat
Er hat keine Struktur über die Saison. Seine Trainings stehen nebeneinander, statt aufeinander aufzubauen. Es gibt kein Thema, das über vier Wochen läuft. Jede Woche fängt bei null an.
Er hat kein Handwerk. Er kann keine Trainingseinheit aufbauen, die auf ein Ziel hinarbeitet. Er weiss nicht, wie man eine Pressingauslösung einschleift oder was eine Einheit im Bereich Umschaltverhalten von einer im Bereich Ballbesitz unterscheidet.
Er holt sich zu spät Hilfe. Er merkt erst, dass ihm etwas fehlt, als es schon weh tut.
Die Frage, die wir uns nun alle stellen
Was wäre, wenn diese drei Schwächen gar nicht mehr an ihm hängen würden?
Denn schau dir die Liste nochmal an. Handwerk, Struktur, Hilfe holen.
Das ist alles auslagerbar. Das sind Werkzeugprobleme, keine Charakterprobleme.
Wie gebe ich sowas ab?
Wir haben TacticTrain ursprünglich für genau diesen Trainertyp gebaut.
Fehlendes Handwerk
Du gibst ein Trainingsziel ein und bekommst eine Einheit, die darauf hinarbeitet. Aufwärmen, Hauptteil, Abschluss, mit Organisation und Coachingpunkten.
Fehlende Struktur
Statt zwölf einzelner Trainings planst du ein Thema über mehrere Wochen. Die Einheiten bauen aufeinander auf, auch wenn du am Mittwoch keine Zeit hattest, gross darüber nachzudenken.
Die Umkehrung
Es gibt den anderen Trainertyp. Den, der taktisch top ist. Der jede Formation erklären kann, jede Übung kennt, jedes Video gesehen hat. Und der die Kabine trotzdem nicht erreicht, weil die Spieler das Gefühl haben, sie seien Figuren auf seinem Blatt.
Für den gibt es keine App. Aber gutes Man-Management kann man lernen. Vertrauen kann man aufbauen.
Ted Lasso ist als Trainer eine halbe Sache. Aber es ist die richtige Hälfte.
Welche der beiden Hälften ist bei dir die starke? Und was von der schwachen Hälfte könntest du eigentlich abgeben, ohne dass du dabei etwas verlierst?
Über TacticTrain
Die Schweizer App für Trainer im Amateurfussball. Trainingsplanung, Übungen, Teamverwaltung und J+S-Export an einem Ort.